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Empfängnisverhütung mit der Pille

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Aktuelles zur transdermalen Kontrazeption (pdf Datei, 161kb)

Interview: Intimhygiene (pdf Datei, 915kb)

Hormonelle Notfallverhütung (pdf Datei, 159kb)

Maßgeschneiderte Kontrazeption heute (pdf Datei, 1,5MB)

Neue pflanzliche Therapieoptionen in der gynäkologischen Praxis (pdf Datei, 88kb)

Ö1 Interview 14.5.2016, Link zum Anhören: http://oe1.orf.at/artikel/439882

Ö1 Wissenschaft Beitrag: http://science.orf.at/stories/2773568

Die Menstruation (pdf Datei, 3MB). Erschienen in "Welt der Frau", Mai 2015

Allgemeine Bemerkungen

Im 20. Jahrhundert ist es mit der Entdeckung der hormonellen Verhütung gelungen, eine effiziente, reversible und der Gesundheit der Frau nicht abträgliche Möglichkeit zur Verhinderung einer unerwünschten Schwangerschaft zu entwickeln.
Den Begriff der Pille setze ich bewusst unter Anführungszeichen, da dieser populäre Sammelbegriff viele unterschiedliche Präparate umfasst.
Die „Pille“ hat zweifelslos eine gesellschaftliche Revolution ausgelöst, die im Laufe der letzten 40 Jahre zu einer Neupositionierung der Frau in der Arbeitswelt und der Familie führte. 

 

Tatsächlich ist die gesellschaftspolitische Bedeutung der hormonellen Kontrazeption weitgehend unterschätzt worden: Die Emanzipation der Frau, die Fähigkeit ihre Sexualität und ihre Fortpflanzung selbst in die Hand nehmen zu können, aber auch die größeren Freiheiten auf beruflicher Ebene verdankt man zu einem großen Teil dieser sicheren Form der Empfängnisverhütung. Als ihr Mit-Entwickler gilt der aus Wien stammende Biochemiker Carl Djerassi, der heute u.a. im angelsächsischen Raum wirkt. (Er ist Autor lesenswerter Bücher: u.a.“ „Die Mutter der Pille“, „This man´s Pill. Sex, die Kunst und Unsterblichkeit“, „NO“ .)

 

Leider kommen in den letzten Monaten, wo kleinere Risiken hormoneller Methoden häufig in den Medien berichtet werden, viele Vorteile der „Pille“ und der Hormontherapie im Speziellen zu kurz. Zumal es auch immer wieder - nicht nur von Seiten der Patientinnen, zu groben Verwechslungen, sowohl der einzelnen Hormonkomponenten, als auch dem Anwendungsgebiet von „Pille“ und Hormonersatztherapie kommt.

 

„Pille“ immer besser verträglich

Es ist der medizinischen Forschung in den letzten Jahrzehnten gelungen, die Hormonkonzentration der „Pille“ immer mehr zu reduzieren und neue Gestagenkomponenten zu entwickeln. Dies soll aber nicht zu einer kritiklosen Verordnung und Anwendung verleiten. Die „Pille“ ist ein hochwirksames pharmakologisches Produkt, das sehr wohl als Medikament und nicht als Lifestyle-Präparat einzustufen ist. Dementsprechend muss auch über Nebenwirkungen und Interaktionen gesprochen werden.

 

Bei einer „Pillen“-Neueinstellung ist in erster Linie eine sehr genaue Anamnese, also ein Gesamtprofil der Gesundheit der Patientin,  zu erheben, sodass man daraus resultierend, ein „passendes“ Präparate verordnen kann. Grundsätzlich sollte mit einem möglichst niedrigen Gesamtsteroidanteil begonnen werden. Das Postulat „so niedrig wie möglich“ gilt nicht nur für die Hormonersatztherapie, sondern auch für die orale Kontrazeption.

 

Mehrere Anwendungsformen

Es wurde in den letzten Jahren nicht nur an der Dosisreduzierung gearbeitet, sondern auch die Anwendungsmöglichkeiten wurden deutlich erweitert. So kamen in den vergangenen Jahren das hormonhältige Implantat, der Intravaginalring und zuletzt das Kontrazeptionspflaster auf den Markt.
Die neueste Entwicklung stellt eine „Pille“  dar, die als östrogene Komponente das natürliche Östrogen, nebst einem Gelbkörperhormon, beinhaltet.
Die Information über die Anwendungsmethode ist ein wichtiges Kriterium für den zuverlässigen Einsatz. Die Aufgabe des verschreibenden Arztes/der Ärztin ist es, den medizinischen „Hintergrund“ gemeinsam mit der Patientin zu prüfen, um eine optimale Verträglichkeit  möglichst sicher zu stellen.

 

Mögliche Probleme

Zu Beginn der „Pillen“-Anwendung sind es vor allem Zwischenblutungen und Zyklusinstabilitäten, die die Anwenderinnen verunsichern. Dies ist aber meist ein kurzes, sich rasch wieder von selbst lösendes Problem, meist ohne ärztliche Intervention. Manchmal ist eine Abänderung der „Pillen“-Verordnung notwendig, um ein Problem zu lösen. Die Verkürzung der „Pillen“-Pause, aber auch das Verwenden höher oder niedrig dosierter Präparate ist ein weiterer Schritt im Management von Zyklusstörungen unter der „Pille“.

 

Bei Endometriosepatientinnen, die einen „Pillen“-Wunsch äußern, wird man auf eine Östrogenarme und gleichzeitig Gestagen-betonte „Pille“, oder sogar reine Gestagen-Verhütung umsteigen.

 

Bei Frauen, die unter der „Pille“ eine trockene Scheide oder eine Conjuntivitis sicca entwickeln, wird man eher eine Östrogen-dominierte „Pille“ wählen.

 

Aber auch gegen Kopfschmerz und Migräne in der „Pillen“-Pause, gegen Libidoverlust und Cellulite-Entwicklung unter der „Pille“ sowie gegen ein „Zuviel“ an männlichen Hormonen stehen besonders vorteilhafte Präparate zur Verfügung.

 

Mit der Kenntnis der differenzierten Verordnung hormoneller Kontrazeptiva wird auf dem Gebiet der Empfängnisverhütung auch das möglich, was man in der Hormonersatztherapie bereits seit Jahren erfolgreich praktiziert: Nämlich die individuelle, der jeweiligen Frau entsprechend angepasste „Pillen“-Verschreibung. Man erreicht damit, neben der effektiven Verhütung, auch therapeutische Effekte.

 

„Pille“ und Thrombose

In den vergangenen Jahren sind einzelne Thrombosefälle, die unter der „Pille“ aufgetreten sind, so intensiv in den Medien diskutiert worden, dass der Eindruck entstanden ist, jede Frau, die die „Pille“ nimmt, wäre Thrombose-gefährdet. Tatsächlich findet man ein derartiges Thromboserisiko, wie sie zuletzt den Präparaten der dritten Gestagengeneration angelastet wird, bei jedem neuen hormonellen Präparat, das auf den Markt kommt.

 

Zudem ist zu beachten, dass eine Schwangerschaft ein deutlich höheres Thromboserisiko aufweist als die Einnahme oraler Kontrazeptiva: In 60 von 100.000 Schwangerschaften tritt eine Thrombose auf. Dagegen tritt – je nach Präparat – bei 20 bis 40 Frauen, die die „Pille“ nehmen pro 100.000 Frauen eine Thrombose auf.

 

Auch die „Pillen“ der zweiten Gestagengeneration wiesen die gleiche Thromboseinzidenz auf, wie zuletzt die „Pillen“ der dritten Generation. Dies unterstreicht, dass es nicht ausschließlich die „Pillen“-Bestandteile sind, die für die Thrombose verantwortlich gemacht werden können, sondern die Art und Weise der „Pillen“-Verschreibung und die interindividuelle Verträglichkeit. Frauen mit diesen Risikofaktoren, vor allem aber Raucherinnen, sollte die „Antibabypille“ nur im Ausnahmefall verordnet werden.

 

Die Erhebung der Anamnese ist auch bei der Fragestellung nach dem individuellen Thromboserisiko das Wichtigste: Berichtet die betroffene Frau, dass sie bereits in jungen Jahren an einer Thrombose litt, dass ein Elternteil vor dem 30. Lebensjahr ebenfalls eine Thrombose hatte, so kann dies als sicherer Hinweis dafür gelten, dass die Frau Thrombose-gefährdet ist und auf eine andere Art der Empfängnisverhütung umsteigen muss.
Die aPC-Resistenz-Bestimmung ist eine zusätzliche Information, die dem Arzt nebst der Anamnese eine Entscheidungshilfe sein kann, ob er die „Pille“ verschreiben soll oder nicht. Der aPC-Wert kann mit Hilfe einer Blutuntersuchung bestimmt werden.

 

Liegt ein pathologische (krankheitswertiger) aPC Resistenz  Wert vor, (Ratio kleiner als 2,35) so sollte einerseits eine weitere hämatologische Abklärung erfolgen (Verdacht auf Mutation des Gerinnungsfaktors V Leiden), und anderseits sollte auf eine Pillenverschreibung verzichtet werden.

 

Es muss noch einmal unterstrichen werden, dass es nicht allein die „Pille“ ist, die Probleme, Nebenwirkungen und Interaktionen verursacht, sondern die unsachgemäße und  sorglose Verschreibung sowie Verabreichung! Auch die Kombination der „Pille“ mit den Risikofaktoren Rauchen, Alkohol und Übergewicht stellt eine sehr kritische Konstellation dar, und gefährdet letztendlich die Gesundheit der Anwenderin.

 

„Pille“ und depressive Verstimmung

Müdigkeit, Reizbarkeit, Depression und Nervosität werden gehäuft bei „Pillen“-Einnehmerinnen beobachtet. Die Beeinflussung von Neurotransmittern durch Steroidhormone gilt als gesichert. Man kann dem Auftreten dieser unangenehmen Wechselwirkungen durch Verordnung einer anderen „Pille“ in vielen Fällen Abhilfe schaffen.

 

„Pille“ und Libido
Bei einigen Frauen, die die „Pille“ einnehmen kann es zu einer Veränderung der sexuellen Empfindungen kommen. Dies kann teilweise auf die Androgen-unterdrückende Wirkung der Pillen Komponenten zurückgeführt werden. Bei länger andauernden Beschwerden kann ein Produktwechsel überlegt werden. Aber Achtung nicht jeder Libidoverlust hat hormonelle Ursachen.     

 

„Pille“ und Haut

Auch die Haut steht markant unter dem Einfluss der Hormone. Aus diesem Grund wird oft schon sehr jungen Mädchen, die womöglich noch nicht die erste Regelblutung hatten, gegen Pubertätsakne die „Pille“ verordnet. In diesem Fall sollte man allerdings besondere Zurückhaltung in der Verschreibung walten lassen. Einerseits behandelt man mit der „Pille“ sehr effektiv die Akne, allerdings stört man durch die Hormongabe den gerade sich in der Pubertät befindenden  Organismus und die weitere Etablierung eines physiologischen zyklischen, ovariell-gesteuerten Systems. Dies kann nachhaltige Folgen haben.

 

Zu den häufigsten dermatologischen Erkrankungen, die unter der „Pillen“-Einnahme entstehen, gehören die Chloasmen. Man versteht darunter gelblich-braune Flecken, die vor allem im Gesicht auftreten. Sonneneinstrahlung hat bei prädisponierten Frauen, die gleichzeitig die „Pille“ einnehmen einen verstärkenden Einfluss auf den Grad der Hautpigmentierung. Chloasmen manifestieren sich vor allem im Sommer bei starker Sonneneinstrahlung. Aus diesem Grund empfiehlt man diesen Frauen die Pilleneinnahme auf den Abend zu verlegen, da unmittelbar nach „Pillen“-Einnahme die Steroidkonzentration im Serum am höchsten ist.

 

„Pille“ und Brustkrebs

Obwohl der Zusammenhang zwischen „Pille“ und Brustkrebs nicht als erwiesen angesehen werden kann, muss man doch angesichts der Verunsicherung  vorsichtig vorgehen. Dies heißt, dass auch die Frage nach familiär bedingtem Brustkrebs, in die Anamnese vor der „Pillen“-Verschreibung einfließen muss. Liegt eine diesbezügliche Belastung vor, so sollte man vermeiden, der betroffenen Frau vor dem 18. Lebensjahr, bzw. über eine Dauer von mehr als zehn Jahren die „Pille“ zu verordnen. Mit diesen beiden Maßnahmen verringert man ein mögliches Risiko, das aber noch nicht eindeutig als gegeben angesehen werden kann. Trotzdem ist es sinnvoll, aus Sicherheitsgründen restriktiv vorzugehen. Studien diesbezüglich lassen (noch) keine einheitliche und eindeutige Empfehlung zu.

 

„Pille“ und Haarausfall

Nicht selten klagen Frauen, dass es während der „Pillen“-Einnahme zu Haarausfall kommt. Obwohl das „Pillenöstrogen“ positiv auf die Haarzyklen wirkt, kann durch ein völliges Absinken des Östradiols lokal ein relativer Hormonmangel entstehen, der durch das „Pillenöstrogen“ nicht ausgeglichen werden kann. Als kausale Therapie wäre das Absetzen der „Pille“ zu überlegen. Es ist außerdem bekannt, dass es während der „Pillen“-Einnahme zu einer Verarmung an Folsäure und an Cobalamin kommen kann. Beide Substanzen sind für den Haarzyklus notwendig.

 

„Pille“ und Körpergewicht

Für viele Frauen ist die Zunahme des Körpergewichtes, das bei den niedrig dosierten „Pillen“ kaum zu registrieren ist, ein großen Problem. Vereinzelt findet man tatsächlich „Pillen“-Einnehmerinnen, bei denen entweder der Appetit steigt, oder die Verwertung der Nahrung so gesteigert ist, dass es tatsächlich zu einer merklichen Gewichtszunahme kommt. Es empfiehlt sich, diesen Frauen zu raten, während der ersten sechs Wochen der „Pillen“-Einnahme weniger zu essen. Die Verordnung von Präparaten, die der vermehrten Wassereinlagerung entgegenwirken, ist bei machen Anwenderinnen erfolgreich.

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Glossar

     

Begriff

Erläuterung

Interaktionen

Wechselwirkungen (mit anderen Medikamenten, die zur gleichen Zeit wie die Pille eingenommen werden – so kann etwa Johanniskraut, das zur Bekämpfung leichter Depressionen eingesetzt wird, die Wirkung der „Antibabypille“ verringern

Steroid

Hormon, z. B. Östrogen

orale Kontrazeption

Verhütung mittels eines Medikaments, das geschluckt – oral eingenommen – wird

Conjuntivitis sicca

trockenes Auge

Thromboseinzidenz

Anzahl neu auftretender Thrombose unter Pilleneinnahme pro Jahr

aPC

Blutgerinnungsfaktor, Abkürzung: aktiviertes Protein C

aPC-Resistenz

auch „Faktor V-Leiden“, angeborene Störung des aktivierten Protein C – genetisch bedingt

hämatologische Abklärung

Blutuntersuchungen zur Erhärtung einer Verdachtsdiagnose

Neurotransmitter

Botenstoffe im Gehirn

Prädisponiert

Anlage, Empfänglichkeit, eine Neigung zu

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