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Harninkontinenz

In Österreich leiden etwa 450.00 Menschen an Harninkontinenz. Man differenziert verschiedene Formen der Harninkontinenz. Der Gynäkologe/die Gynäkologin ist hauptsächlich mit dem Bild der Stressharninkontinenz konfrontiert, da es sich hierbei um ein Zustandsbild handelt, das sehr häufig mit Veränderungen im Bereich des Beckenbodens, im Bereich der Scheide und des Bandapparates des weiblichen Genitales zusammenhängt. Neben der Belastungsharninkontinenz oder Stressharninkontinenz gibt es die Drangharninkontinenz, wobei die Altersverteilung unterschiedlich ist. Stressharninkontinenz tritt vor allem bei der Frau des Periklimakteriums, also zwischen 40 und 50 Jahren am häufigsten auf. Drangharninkontinenz stellt eher das Zustandsbild der älteren Frau dar. Der Gynäkologe/die Gynäkologin sieht in seiner/ihrer Ordination etwa 60% reine Stressharninkontinenz, 25%Mischharninkontinenz und 15% Drangharninkontinenzen. Andere Formen der Harninkontinenz sind vor allem dem neuropathologischen Formenkreis zuzuordnen.

 

Es ist bekannt, dass ein komplexes Zusammenspiel von Beckenbodenmuskulatur, bindegewebigen Stukturen, Schließmuskel der Harnröhre, Gefäßversorgung und Nervenversorgung in diesem Bereich stattfindet, das für den Verschlußmechanismus der Blase verantwortlich ist. Geburten, schwere körperliche Arbeit, Alterungsprozesse und Hormonmangelsituationen wirken begünstigend auf die Entstehung einer Harninkontinenz.

 

Die Diagnostik mit gezielter Abklärung des Problems steht an erster Stelle, wenn die Patientin über Harninkontinenz klagt. Erst dann kann eine adäquate Therapie eingeleitet werden. Zu den konservativen Maßnahmen gehört die Beckenbodengymnastik in Kombination mit Elektrostimulation und Biofeedback Behandlungen. Etwa 30-35 % der Harninkontinenzen können trotz langer und intensiver konservativer Therapie nicht zufriedenstellend behoben werden. Daher ist es essentiell, die Patientin richtig zu informieren und bei der Therapie zu begleiten. Neben den physiotherapeutischen Maßnahmen hat auch die Hormontherapie einen wichtigen Stellenwert. Das Gewebe wird durch die lokale oder systemische Hormongabe besser durchblutet, außerdem wird die Innervation verbessert. Speziell bei der Drangharninkontinenz hat die Hormontherapie einen kurativen Effekt. Abgesehen von den körperlichen Beschwerden, wie häufiges Wasserlassen und imperativer Harndrang wird durch die Harninkontinenz auch die Lebensqualität der Betroffenen erheblich eingeschränkt. Die psychosozialen Auswirkungen reichen von Schamgefühl und Verlust der Selbstachtung, bis hin zu Depressionen und Vereinsamung. Aus Angst, nicht schnell genug eine Toilette finden zu können, verlassen viele Betroffenen nicht mehr ihre gewohnte Umgebung. Sie bleiben entweder zu Hause oder gehen nur jene gewohnten Wege, wo sie die Toilette kennen, und vermeiden alle Situationen, in denen sie Gefahr laufen, nicht rasch genug ein „stilles Örtchen“ erreichen zu können. Aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung wird die Zahl inkontinenter Menschen weiter zunehmen. Daher ist es wichtig die Harninkontinenz frühzeitig zu erkennen, und zu einem Zeitpunkt, zu dem eine Therapie noch möglich und erfolgreich ist, therapeutische Maßnahmen zu ergreifen. Präventive Maßnahmen zu ergreifen  nimmt einen besonderen Stellenwert ein, da erst dadurch Häufigkeit und Schweregrad der Inkontinenz ausreichend verhindert werden kann. Die Frage nach unfreiwilligem Harnabgang sollte Bestandteil jeder Anamnese sein. Besonders bei älteren Menschen muss dieses Problem oft gezielt angesprochen werden.

 

Die Fortschritte der Medizin und der pharmazeutischen Industrie ermöglichen die Behandlung der Harninkontinenz bei betroffenen Personen und sind somit einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualitätsverbesserung.

Download Fachartikel:

Blasenschwäche - ein sensibles Thema (pdf Datei, 153kb)

HRT Konsensus Papier 2016 (pdf Datei, 168kb)

Positionspapier topische Östrogenbehandlung 2016 (pdf Datei, 158kb)

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